OATRM

Offenes antifaschistisches Treffen Rems-Murr

Erneute Blamage für die Backnanger AfD

Die AfD hat für den gestrigen Abend in lokalen Facebookgruppen auf eine Veranstaltung unter dem Motto “Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung” mobilisiert, mit Markus Frohnmaier hatten sie gehofft, durch einen prominenten Namen mehr Publikum für ihre sozialdemagogische Hetzveranstaltung zu gewinnen. Der Ort wurde nicht öffentlich bekannt gegeben, was für uns allerdings kein allzu großes Hindernis darstellte.

Es gilt den Rechten keinerlei Rückzugsort zu lassen und diese Lösung scheint langsam Früchte zu tragen. So versuchte die AfD vor einigen Monate bereits mit der gleichen Herangehensweise in Backnang eine Veranstaltung mit Stefan Räpple als prominenten Gast abzuhalten. Diese wurde allerdings von Seiten der AfD abgesagt, da die Bullen sie scheinbar gewarnt hatten, es sei mit Antifas aus ganz Baden-Württemberg zu rechnen. Ein ähnliches Bild bot sich uns auch heute: Nachdem wir das Publikum der Kundgebung des Bündnisses “Zusammen gegen Rechts Rems-Murr” darauf hingewiesen haben, dass wir den Treffpunkt der AfD herausgefunden haben, machten wir uns zügig auf den Weg nach Althütte.

Die rechte Hetzveranstaltung sollte in “Eddie’s Bikerresidenz” stattfinden, ein paar versprengte AfDler standen dort vor der Örtlichkeit und fotografierten unsere Proteste ab. Steffen Degler, der Organisator der Veranstaltung, kam in Jogginghose und mit Augenringen tiefer als die Verstrickungen der AfD in die militante rechte Szene, um einen Bundestagsabgeordneten in “seinem” Landkreis zu empfangen. Von Markus Frohnmaier war jedoch weit und breit keine Spur. Der Wirt teilte uns mit, er wusste nicht, dass die AfD in seinem Lokal ein Treffen abhalten möchte. Die Anmelder hätten sich bei der Reservierung nicht als solche zu erkennen gegeben. Als die Bullen ihn über unser Kommen informierten, wurde die Veranstaltung abgesagt. Dementsprechend blieb der AfD nicht viel mehr als unserer Präsenz zu weichen.

Schließlich machten wir uns mit einer Spontandemonstration wieder auf den Heimweg. Dabei entdeckten mehrere TeilnehmerInnen diverse Sticker vom “III. Weg”an Laternen und versuchten diese direkt zu entfernen. Daraufhin griff die Polizei stark ein, konnte jedoch nicht verhindern, dass die Sticker zum größten Teil entfernt wurden. Nach ihrem völlig übertriebenen Eingriff musste die Polizei auf eine hoffnungslose Personenkontrolle ohne weiteren Hintergrund zurückgreifen.

Im Anbetracht dessen, dass die AfD zurück gedrängt und durch die starke antifaschistische Präsenz erneut ihre Veranstaltung verhindert werden konnte, war der heutige Tag ein voller Erfolg. Wir konnten unsere Botschaft auf die Straßen von Althütte tragen und dort klar machen, dass es kein ruhiges Hinterland gibt!

Ob PEGIDA oder AfD – Stoppt den Rechtsruck in der BRD!
Freiheit für Jo!

#freejo Solidbild und Wandbild für Genossen in U-Haft

Am Donnerstag Morgen fanden in Baden-Württemberg 9 Hausdurchsuchungen statt und der Antifaschist Jo wurde von den Cops aufgrund seines antifaschistischen Engagements entführt.  Dieser Repressionsschlag hat sich schon länger angedeutet, nicht nur weil dieser Staat schon immer AntifaschistInnen verfolgt und kriminalisiert hat: vom Innenminister Strobel medial befeuert, sprach die Polizei in den letzten Wochen bei jeder sich bietenden Gelegenheit von einer „Grenzüberschreitung der linke Szene“ und fuhren bei jeder Protestaktion ein übertriebenes Aufgebot auf. Diese Entwicklung nahm ihren bisherigen Höhepunkt in den Hausdurchsuchungen, Zwangsweise DNA-Entnahmen und der Entführung von Jo.

Im Angesicht dessen stehen wir nun vor zwei zentralen Aufgaben. Die erste: Weitermachen! Der Repressionsapparat will uns einschüchtern, verängstigen und von der politischen Arbeit abhalten. Das wird ihm nicht gelingen! Wir werden auch weiterhin entschlossen gegen Nazi-Umtriebe, AfD und sonstige rechte Gestalten vorgehen. Wir dürfen in keine Schockstarre verfallen, sondern müssen genau so weiter machen wie bisher. Unsere zweite Aufgabe: Solidarität für Jo organsieren! Es gab bereits vielfältige Soliaktionen, auch direkt am Knast am Stammheim. Durch Berichte von Genossinnen und Genossen die schon im Knast sitzen mussten, wissen wir, dass solche Aktionen unglaublich viel Kraft geben! Deshalb: mehr davon! Zur Solidaritätsarbeit gehört aber auch das Schreiben von Briefen an den betroffenen Genossen, um ihm zu zeigen, dass wir ihn nicht vergessen und ihn ein wenig vom Knast-Alltag abzulenken. Außerdem gilt es Jos Situation so lange zum Thema zu machen bis er wieder in Freiheit ist. Solidaritätsarbeit ist ein Marathon, kein Sprint! Es gilt die eigenen Strukturen so anzupassen, dass ein kontinuierliche Solidaritätsarbeit gewährleistet bleibt!

Als Auftakt dieser Arbeit haben wir ein Bild für Jo gemalt und ein Foto geschossen. Wir stehen weiter hinter dir und werden es auch in Zukunft tun. Unsere Solidarität endet nicht an Knastmauern!

Freiheit für alle politischen Gefangenen – Free Jo!

Kampf ihrer Klassenjustiz!

Zwischenupdate zu den “Coronarebellen” in Schorndorf

Am gestrigen Donnerstag fand in Schorndorf unter dem Motto “Versammlung für das Grundgesetz” wieder einmal eine rechtsoffene Kundgebung statt. Nach der peinlichen Kooperation mit dem Reichsbürger Thomas Hornauer, war die Kundgebung heute inhaltlich sehr “Widerstand2020” nah und optisch an dem Stuttgarter “Querdenken711”-Label orientiert.

Neben der schon bekannten AfD-Beteiligung in Form von Andreas Nemeth, Monika Fant (heute als Ordnerin) und dem AfD-Stadtrat Frank Laslo, schlichen auch mehrere Faschisten um die Kundgebung herum und stellten sich nach einiger Zeit auch auf die Kundgebungsfläche.

Es handelte sich hierbei um mindestens 7 offen erkennbare Faschisten:

  • Einer im schwarzen Hemd, lange Haare, mit Hitler- und Kinnbärtchen, trug einen Hakenkreuzring, ca. 1,60m groß

  • Einer mit einem blauen Fahrrad, dunkelolivem Oberteil, kurzer Hose mit Tarnfarben und Portemoneekette, hat sich auf den linken Oberarm ein Keltenkreuz tattowiert, ca. 1,70m, Adidas Turnhallenschuhe

  • Zwei mit weißen Shirts und sich ähnelnden, grauen Schiebermützen, kurze Hose, einer mit Adidas-Turnhallenschuhe, Sonnenbrille + weibliche Begleitung

  • Einer komplett in Schwarz mit Wotanknoten/Valknut-Tattoo auf dem linken Unterarm, mit Begleitung mit schwarzen Tanktop und Nike-Rucksack

Ähnlich wie Querdenken711 zieht auch die Veranstaltung in Schorndorf bekennende Faschisten an. Es gilt, aus den Erfahrungen der Wasenkundgebungen zu lernen: Die verbalen Distanzierungen der Veranstalter nach rechts sind völlig sinnlos und bloße rechte Augenwischerei, wenn man sich im gleichen Atemzug von antifaschistischen Kräften lossagt und diese diskreditiert. Die Faschisten werden nicht aufgrund von netten Worten einer Kundgebung fernbleiben, sondern nur wenn sie mit antifaschistischen Protest konfrontiert werden und erfahren, dass Nazi sein ernsthafte Folgen mit sich bringt.

Achtet auf Ankündigungen!

 

 

Kundgebung gegen Rassismus und rechte Verschwörungsideologen

Trotz widrigem Wetter kamen ca. 50 Menschen heute in Schorndorf zu einer Kundgebung zusammen, um gegen Rassisten und Verschwörungsideologien zu protestieren. Auch wir als Offenes Antifaschistisches Treffen Rems-Murr haben uns daran beteiligt.

Anlass war, dass vergangenen Montag Verschwörungsideologen und Coronaleugner des rechten Vereins “Ich bin anderer Meinung” eine Kundgebung auf dem Schorndorfer Marktplatz abhielten. Diese Kundgebung wurde vom AfD-Mitglied Monika Fant angemeldet. Mit dabei waren neben dem Reichbürger und Esoterik-Millionär Thomas G. Hornauer, auch Teile der Schorndorfer AfD, sowie der bekannte Anti-Antifa- Aktivist Michael Stecher. Diese rechte Vereinigung kündigte an, wöchentlich Veranstaltungen in Schorndorf abzuhalten, jedoch blieb die erste Kundgebung vergangenen Montag, die bislang einzige, aufwändiger gestaltete und öffentlich angekündigte.

Auf der Kundgebung gab es Redebeiträge und einen Infotisch, sowie eine Stellwand mit Informationen über lokale rechte Strukturen im Rems-Murr Kreis. Desweiteren wurden Flyer verteilt und viele Gespräche mit Interessierten geführt. Anschließend zogen mehrere Gruppen durch Schorndorf um das Stadtbild mit Plakaten, Transparenten und Stickern zu verschönern.

Die Polizei hat wie immer versucht, uns Steine in den Weg zu legen. Sie waren mit mehreren Polizeiwannen und Streifenwägen in der Nähe der Kundgebung und belästigten Demonstrierende mit dem Vorwand von unsinnigen Demoauflagen, wie z.B. dass die Stäbe des Hochtransparents zu breit wären.

Erwartungsgemäß haben sich die Rechten am Ende überhaupt nicht in die Stadt getraut. Unter diesem Aspekt war die Aktion ein Erfolg, da es unsere Zielsetzung ist zu verhindern, dass Rechte organisierte Kundgebungen abhalten können!

Doch obwohl keine Rechten in Schorndorf waren, ist das Problem noch lange nicht verschwunden. Solange rechte Strukturen bestehen, werden sie weiter auf die Straße gehen und versuchen, Proteste wie die gegen die Corona-Maßnhamnen zu vereinnahmen und für ihre rechte Hetze zu nutzen.

Darum heißt es gerade jetzt: antifaschistisch aktiv werden! Rechte Akteure bekämpfen wo auch immer sie auftauchen! Möglichkeiten dafür gibt es genug: Bei Familienfesten oder auf Arbeit gegen rassistische Sprüche Stellung beziehen, einschreiten bei rechten Übergriffen in der Öffentlichkeit oder durch Teilnahme bei Kundgebungen wie heute.

Werdet aktiv gegen Rechts!
Kommt zum OAT Rems-Murr!

Am 2. Dienstag im Monat
Fronackerstraße 60 Waiblingen

Schorndorf bleibt antirassistisch!

Kundgebung und Antifa-Sponti wegen rassistischer Gewalttat in Eglosheim

Gestern beteiligten wir uns mit den Genossinnen und Genossen des Antifaschistischen Aktionsbündnis Stuttgart an der Kundgebung des Ludwigsburg gegen Rechts Bündnis. Anlass war der Angriff zweier Rassisten auf einen jungen Schwarzen Mann in Eglosheim. Mit einer Schleuder beschossen sie den Jugendlichen mit Stahlkugeln, einer von ihnen trug dabei ein Donald Trump T-Shirt. Der Betroffene wurde zum Glück nicht schwer verletzt, doch jeder rassistische Angriff ist einer zuviel.

Innerhalb eines Tages gelang es dem Bündnis Ludwigsburg gegen Rechts etwa 200 Menschen zum Ludwigsburger Bahnhof zu mobilisieren. In Anbetracht der kurzen Zeit und des eher unattraktiven Termins an einem Feiertag eine ordentliche Anzahl. Allerdings viel zu wenig für einen derartigen, rassistischen Angriff. Wir waren mit Transparenten, Schildern und einer Rede auf der Kundgebung vertreten.

Im Rahmen der Vorbereitung gelang es, ein breites Spektrum an Rednerinnen und Redner für die Kundgebung zu gewinnen. Die Reden eines Organisators des Silent Protests Stuttgart, der noch jungen Migrantifa Stuttgart und einer kurdischen Genossin aus Ludwigsburg bereicherten die Kundgebung ungemein. Die Freundinnen und Freunde beließen es nicht bei Betroffenheitsberichten, sondern ordneten die Unterdrückung und Diskriminierung Nicht-Weißer Menschen in den gesellschaftlichen Kontext ein. Die Zusammenarbeit organisierter Antifas und der erstarkenden antirassistischen Bewegung ist eine logische und natürliche Weiterführung der Arbeit der vergangenen Jahre. Daran gilt es in Zukunft anzuknüpfen. Auch die zahlreich vertretenen Genossinen und Genossen türkischer kommunistischer Bewegungen bewiesen, dass die migrantische Linke in Ludwigsburg Rassismus und Nazi-Angriffe nicht unwidersprochen lässt. Auch die starke Beteiligung von Betriebsräten und GewerkschafterInnen aller Nationalitäten zeigen das Potential antifaschistischer und antirassistischer Aktionen im Kreis Ludwigsburg.

In unserer eigenen Rede, die ihr unten angehängt findet, gingen wir darauf ein das Rassismus weder ein neues Phänomen, noch Zufall ist. Rassismus ist und bleibt ein Spaltungsinstrument der Herrschenden, dass den gemeinsamen Kampf der ArbeiterInnenklasse verhindern soll. Der Rassismus nach Innen wird komplementiert von einer chauvinistischen Handel- und Kriegspolitik nach außen. Im Klartext heißt das: Das deutsche Kapital zerstört die ausgebeuten Länder, zwingt durch Hunger und Bomben Millionen in die Flucht und nutzt dann eben jene Geflüchteten als Sündenböcke, um von der eigenen arbeiterInnenfeindlichen Politik abzulenken. Von dieser kranken Ideologie fühlen sich dann Rassisten wie die Trump-Fans in Eglosheim, darin bestärkt, Jagd auf Migrantinnen und Migranten zu machen. Diese Nazis und Rassisten sind, ob bewusst oder unbewusst, die treuesten Knechte des kapitalistischen Systems.

Desweiteren gingen wir auf die größte Gefahr für nicht-weiße Menschen in Deutschland ein: Die AfD. Gerade in Zeiten der kommenden Wirtschaftskrise halten wir es für sinnvoll und notwendig, solche Tatsachen klar zu bennen und unseren Kampf gegen Nazis und Rassisten mit der Perspektive jenseits von Ausbeutung und Unterdrückuing zu verbinden.

Nach unserer Rede formierte sich ein Spontandemonstration, die unsere Wut über den feigen rassistischen Angriff auf die Straßen Ludwigsburgs trug. Mit zwei unserer Transparente an der Demospitze nahmen wir uns die Straßen der Innenstadt in voller Breite und ermöglichten so vielen, auch bisher wenig erfahrenen Menschen, vorne in der Sponti mitzulaufen. Die Bullen versuchten zu Beginn die Demo halbherzig aufzuhalten, was jedoch vollständig scheiterte. Auch im weiteren Verlauf agierten die Bullen unklug und nervös. Mehrere Male gelang es durch eine geschickte Wahl der Route die Cops wortwörtlich ins leere Laufen zu lassen, was zu ein paar unfreiwilligen Sprints ihrerseits führte. Während der Demo wurden von uns vorbereitete Schilder mit Botschaften wie “Ganz Ludwigsbug hasst die AfD”, “Black Lives Matter” oder “Polizei = Rassist und Mörder” von vielen Teilnehmden am Rand der Route befestigt. Mit den Schildern, Durchsagen und der flexiblen Route gelang es uns auch an einem Feiertag verhältnissmäßig viele LudwigsburgerInnen und Ludwigsburger zu erreichen. Zum Abschluss der Aktion knieten sich alle Protestierenden direkt vor dem Bahnhofsgebäuden hin und hielten in Gedenken an alle Opfer rassistischer Gewalt eine Schweigenminute. Die Stille auf dem Bahnhofsplatz wurde dann von lauten “No Justice, no Peace” Rufen durchbrochen.

Gegen Nazis und Rassisten – Fight white power, fight the system!

200 Menschen auf der Straße nach einer rassistischen Gewalttat dieser Qualität sind für eine Stadt wie Ludwigsburg definitiv zu wenig, daran besteht kein Zweifel. Trotzdem blicken wir positiv auf die Kundgebung zurück: Unsere Zusammenarbeit mit den lokalen migrantischen Strukturen und dem Silent Protest Orgateam sind für uns der Weg, die antirassistische Linke aufzubauen. Nicht durch elitäre Sprachhygiene, Soziologie-Seminare und Kümmerer-Gehabe, sondern durch gemeinsame Straßenpraxis und Diskussionen auf Augenhöhe werden wir zusammen bringen, was zusammen gehört: Den Kampf gegen Rassismus, den Kampf gegen rechte Akteure und die Perspektive einer Gesellschaft jenseits vom Kapitalismus in der Rassismus keine Grundlage hat!

Antifa heißt Black Lives Matter!

Den Bericht der GenossInnen von Avrupa Haber auf türkisch findet ihr hier.

 


Rede des Offenen Antifaschistischen treffen Rems/Murr und dem
Antifaschistischem Aktionsbündniss Stuttgart und Region:

Liebe Ludwigsburgerinnen und Ludwigsburger, liebe Antifaschistinnen und
Antifaschisten, liebe Freundinnen und Freunde,

wenn man darüber nachdenkt wie in den USA George Floyd von Polizisten
ermordet wurde, in Deutschland antirassistische Proteste brutal von den
Bullen angegriffen werden oder Nazis in Egolsheim letzten Montag einen
jugendlichen wegen seiner Hautfarbe mit Stahlkugeln angreifen fragt man
sich– was ist hier eigentlich los? Was läuft eigentlich falsch in
unserer Gesellschaft?

Rassismus und Nazis sind kein neues Phänomen.1992 brannten Wohnungen
vietnameischer Migranten in Rostock Lichtenhagen, 1993 kamen fünf
türkischstämmige Frauen und Mädchen in Solingen bei einem rechten
Brandanschlag ums Leben, 2005 wurde Oury Jalloh von Polizisten in einer
Zelle in Dessau ermordert. Bis 2011 zog der Nationalsozialistische
Untergrund – unter den Augen und Wahrscheinlich mit Hilfe des
Verfassungsschutzes- mordend durchs Land. Seit 2015 gab es tausende
Angriffe auf Geflüchtetenunterkünfte.

Doch in den letzten Jahren ist spürbar, dass sich die Situation weiter
zuspitzt: Rassisten marschieren massenhaft auf den Straßen auf,
organisieren Hetzjagden wie beispielsweise 2018 in Chemnitz. In den
Medien und Talkshows wird wieder offener gegen „die Ausländer“ gehetzt.
Naziterrorzellen bereiten sich auf einen Bürgerkrieg vor. Das alles ist
der gesellschaftliche Rechtsruck. Der Rechtsruck hat eine Partei
hervorgebracht, die sich im Angesicht der Morde an Nicht-Weißen-Menschen
allen Ernstes traut „All lives Matter“-Bilder zu verbreiten. Die AfD ist
die größte Gefahr für alle Menschen, die nicht nach dem oder der
Durchschnittsdeutschen aussehen. Sie bereitet feige Gewalttaten wie die
letzten Montag in Egolsheim ideologisch vor, sie will den Rassisten in
Uniform noch mehr Befugnisse geben.

Jeder und jede von uns merkt, dass sich die gesellschaftlichen
Widersprüche verschärfen: Viele waren schon vor Corona in Kurzarbeit, in
der Zeitungen liest man jeden Tag von Werksschließungen und die
Regierung verteilt Milliardengeschenke an die Reichen. Die Zeichen
stehen auf Krise. Und das Wissen auch die Rechten.

In solchen Zeiten bieten die Rechten zunächst einfache Antworten, indem
sie die Schuld Sündenböcken zuschieben und nicht dahin, wo sie hingehört
– auf die Politik und das gesellschaftliche System, den Kapitalismus, in
dem wir leben.

Die AfD ist sehr gut darin, denen die Schuld zu geben, die am wenigsten
von uns allen haben – Migrantinnen und Migranten – die ihre Heimat
aufgrund von imperialistischen Kriegen und Hunger verlassen mussten und
hier aufgrund von ständigen Asylrechtsverschärfungen kaum die
Gelegenheit bekommen, sich ein gutes Leben aufzubauen.

Doch für wen steht die AfD eigentlich ein? Garantiert nicht für den
„kleinen Mann“ und sie wird auch nicht nur von ihm gewählt – vielmehr
spiegelt sie eine kleine Elite wieder und will auch genau diese weiter
erhalten, beziehungsweise dafür sorgen, dass diejenigen, die ohnehin
schon reich sind, noch reicher werden.

Doch steht die AfD mit dieser Herangehensweise nicht allein da,
insbesondere die CDU steht der AfD in kaum etwas nach, wenn es darum
geht rassistische Äußerungen von sich zu geben. Beide in Kombination
ebnen Nazis, die auf Menschenjagd gehen, jüdische Restaurants oder
Geflüchtetenunterkünfte angreifen, den Weg. Sie sind diejenigen, die
ihre Tatmotive wieder salonfähig gemacht haben und im Nachgang so tun,
als wären solche Handlungen „normale Reaktionen von Bürgern und
Bürgerinnen, die eben unzufrieden sind“.

Das – ist nicht normal und wir alle hier, so wie wir hier stehen, sind
dafür verantwortlich, dass dies auch nicht zur Normalität wird!

Die Ereignisse der letzten Wochen, sowohl hier als auch in den USA haben
gezeigt, wie mächtig wir sind wenn wir uns zusammenschließen und für
unsere Rechte kämpfen. Und auch der Gefahr von Rechts, sei es in Form
von Nazi-Angriffen oder der AfD, müssen wir gemeinsam und entschlossen
begegnen! Denn wir können alle dazu beitragen, dem Rechtsruck etwas
entgegen zusetzen. Sei es durch Kundgebungen wie diese, durch die wir
zeigen, dass die Opfer rechter Gewalt nicht alleine sind. Sei es
dadurch, dass wir unsere Kolleginnen und Kollegen, unsere Freundinnen
und Freunde und unsere Familie über die rassistische Hetze von AfD,
Nazis und Co. aufklären. Sei es dadurch, dass wir widersprechen, wenn
jemand etwas Diskriminierendes sagt oder dadurch, dass wir einschreiten
wenn wir rassistische Polizeikontrollen beobachten.

Gemeinsam wollen wir für eine Welt einstehen, in der nicht darüber
diskutiert werden muss, wie man rassistischen Angriffen entgegenstehen
kann, weil sie nicht mehr auftreten können!
Für eine Welt, in der wir nicht mehr darüber diskutieren müssen, wie
Bildungsungleichheit aufgrund eines unterschiedlichen sozialen Status
ausgeglichen werden kann, weil alle den gleichen sozialen Status haben!
Für eine Welt, in der Elite nichts Besonderes mehr ist, weil wir alle
gleichermaßen zum Zuge kommen!
Für eine Welt in der Hautfarbe keine Rolle mehr spielt, weil Rassismus
und Hetze keine gesellschaftliche Grundlage mehr haben!

Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich gegen Rechts zu engagieren! Werdet
kreativ, lasst euch etwas einfallen, kommt zu uns und informiert euch!
Gemeinsam können wir für eine Welt jenseits von Rassismus einstehen!

Rechte Corona-Kundgebung in Schorndorf gestört!

Heute waren wir spontan in Schorndorf, um uns einer rechten Kundgebung in den Weg zu stellen. Schon seit längerer Zeit finden in Schorndorf “Corona-Spaziergänge” statt. Diese begannen politisch diffus und vollständig ohne Außenwirkung. In den letzten Wochen entwickelt sie sich immer weiter nach Rechts und nahmen Kundgebungscharakter an. Deswegen haben wir uns entschieden, den Verschwörungsideologen, Reichsbürger und Rechten die Veranstaltung zu vermiesen.

Die Rechten…

An der Kundgebung, die der Pseudo-Bewegung “Ich bin anderer Meinung” (IBAM) nahesteht, nahmen etwa 20-30 Menschen teil. Normale BürgerInnen waren nicht darunter. Dafür aber lokale AfDler und diverse andere rechte Wirrköpfe (siehe Fotos). Die AfDler waren offensichtlich das organisatorische Rückgrat der Kundgebung, stellten mutmaßlich die Versammlungsleitung und führten die Verhandlungen mit den Bullen. “Corona-Spaziergänger” aus Winnenden und Waiblingen waren ebenfalls vor Ort. Star der Veranstaltung war der Internetfreak und Kleinbürger Thomas G. Hornauer, der sich selbst für einen Adligen hält und mit einem – kein Witz! – Thron auf der Kundgebung erschien. Dazu ist er auch noch moralisch verkommen: 2003 wurde öffentlich, dass er junge Frauen durch Pornographie sexuell ausbeutete und sie dabei auch begrabschte. Hauptberuflich betreibt der Esoterikmillionär einen Internetsender und ein „Lichtkristallzentrum“. Er stellte die Veranstaltungstechnik und Bühne. Auch der verschwörungsideologische Anti-Antifa Spinner Michael Stecher sprang ebenso auf der Kundgebung rum und filmte mit seinem Handy. Die Außenwirkung der Aktion wurde, abgesehen von unserem Protest, von liturgischen oder heidnischen Gesängen und improvisierten Liedern von Thomas Hornauer geprägt.

Unser Protest…

Wir sammelten uns mit etwa 20 AntifaschistInnen verschiedener Spektren und zogen kurz vor geplanten Beginn der Veranstaltung zur rechten Kundgebung. Dort zogen wir eine Kette und schirmten die Bühne der Rechten für gut 45 Minuten ab. Im Rahmen dessen wurden einige Rede-Versuche der Wirrkopf Kundgebung gestört, einige „Impfkritische“-Schilder wurden in ihre Einzelteile zerlegt und Flyer der Revolutionären Aktion Stuttgart zu falschen Antworten auf die Corona-Krise an PassantInnen verteilt. Einmal wurde auch der Stecker der Anlage gezogen, was die Lärmbelästigung der esoterischen Wirrköpfe zumindest kurz beendete. Bereits auf dem Weg zur Kundgebung schlossen sich spontan junge SchorndorferInnen bei uns an. Nach einer dreiviertel Stunde kam ein Trupp Bereitschaftsbullen aus einem VW-Bus gesprungen und joggte auf den Platz. Zusammen mit einigen schon vorher anwesenden Schorndorfer Streifencops drängten sie mit Schlagstöcken und Hunden die Antifas und Schorndorfer Jugendlichen vom Kundgebungsort. Leider waren die Proteste ab diesem Zeitpunkt nicht mehr angemessen durchsetzbar. Deshalb beendeten wir die Proteste – werden aber wieder kommen. Die Rechten wollen auch kommenden Montag Schorndorf mit ihrem geistigen Müll verpesten. AfD, Reichsbürger, pädophile Internet-Hetzer und Verschwörungsideologen auf Schorndorfs Straßen? Nicht mit uns!

Fazit und Ausblick

Die heutige rechte Kundgebung in Schorndorf war eine peinliche Witzveranstaltung mit starker rechter Beteiligung, nicht mehr und nicht weniger. Da sich das gesamte „Corona-Skeptiker“-Sammelsurium aus dem Rems-Murr-Kreis beteiligte zeigt allerdings, dass sich die lokalen Rechten wohl die Führung über die kleinbürgerliche Querdenken-Bewegung übernehmen und für ihre Interessen einspannen wollen. Die Abwesenheit der normalen Schorndorfer Bevölkerung bestärkte uns in der Entscheidung die Veranstaltung nicht als fehlgeleiteten Sozialprotest, sondern als rechtes Projekt zu behandeln. Das werden wir auch weiterhin tun.

Achtet auf weitere Ankündigungen, haltet euch den kommenden Montag frei und macht den rechten klar, dass sie weder in Schorndorf noch sonst wo etwas verloren haben!

Gegen die falschen Freunde der Freiheit!
Antifaschismus in die Offensive!

Quelle: https://de.indymedia.org/node/87276

 

 

Aktionen am 8. Mai des 75. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus

Vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, wurde die Bevölkerung Deutschlands vom Faschismus befreit. Dieser Tag ist in der BRD, im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, noch immer kein Feiertag. Verantwortlich dafür ist, dass die Entnazifizierung in den westlichen Besatzungszonen nicht wirklich durchgeführt wurde. Das führte dazu, dass Faschisten auch nach der Kapitulation der Wehrmacht über Jahrzehnte hinweg unbehelligt in Amt und Würden saßen. Auch heute noch versuchen Rechte und Reaktionäre die Geschichte zu verdrehen. Sie stellen den Tag, an welchem die unvorstellbaren Verbrechen des Hitlerfaschismus ein Ende fanden, als Tag der Niederlage dar. Gerade deshalb wurden wir an diesem Tag aktiv, um einerseits der Bedeutung des Tages zu Gedenken, andererseits um in diesen krisenhaften Zeiten antifaschistische Präsenz im Stadtbild zu zeigen. Antifaschistischer Widerstand gegen die erstarkende Rechte ist jetzt wichtiger denn je – den 8. Mai als offiziellen, deutschlandweiten Feiertag durchzusetzen wäre nur eines von vielen zu setzenden Zeichen.

Am 8. Mai waren wir als AntifaschistInnen in den Städten Waiblingen, Schorndorf und Ludwigsburg unterwegs. Dort hingen wir Plakate auf, dekorierten Statuen mit roten Halstüchern und verteilten Flugblätter an interessierte PassantInnen. Dabei erhielten wir viel Zuspruch, das Aufhängen eines Transparents in Schorndorf wurde mit Applaus von Anwohner bedacht. In Ludwigsburg beteiligten wir uns mit 50 anderen AntifaschistInnen der Linkspartei und VVN-BdA an einer Kundgebung vor dem Gedenkort des Durchgangslagers in Bietigheim-Bissingen. Im Anschluss daran wurde den verfolgten Sinti und Roma beim Mahnmal in Asperg gedacht, der Synagogenplatz in Ludwigsburg bildete den Abschluss. In Waiblingen, auf der Brücke am Beinsteiner Tor, machten wir mit einem Transparent und eigens erstellten Plakaten auf das lokalhistorische Ereignis zu Kriegsende aufmerksam: Hier haben mutige Frauen Anfang April 1945 durch eine illegale Demonstration dafür gesorgt, dass die Brücke nicht gesprengt und die Stadt kampflos übergeben wurde. Ganz und gar nicht mutig zeigte sich heute das Waiblinger Ordnungsamt, welches unserem Spaziergang mit Abstand folgte und unsere Plakate entfernte. Solange schöne Zeitungsartikel über Ausstellungen und die salbungsvollen Eröffnungsreden über StadtvertreterInnen geschrieben werden, schmückt man sich gern mit dem antifaschistischen Andenken. Wenn wir als AntifaschistInnen selbstbestimmt aktiv werden, werden uns Steine in den Weg gelegt – so sieht keine antifaschistische Gedenkkultur aus!

Dass der Kampf gegen Faschismus und rechte Umtriebe heute noch nicht vorbei ist, davon zeugt die Existenz verschiedenster reaktionärer Organisationen und Zusammenschlüsse: allen voran die AfD oder die Gewerkschaftsfeinde vom Zentrum Automobil um den Ex-Rechtsrocker Oliver Hilburger aus Althütte. Der 8. Mai lehrt uns, dass die Rechten nicht von allein mit ihrer Politik aufhören werden. Dafür braucht es mehr Menschen, die sich antifaschistisch organisieren und gegen alte und neue Nazis aktiv werden.

Für eine antifaschistische Gedenkkultur – Erinnern heißt kämpfen!

Fotos aus Waiblingen

Fotos aus Schorndorf

Fotos aus Ludwigsburg, Bietigheim und Asperg

200 Menschen gegen faschistische Terrorumtriebe in Alfdorf

Zwei Wochen nach der Aufdeckung der faschistischen Terrorgruppe S. fand in Alfdorf, eine Gemeinde mit 7 000 EinwohnerInnen, eine Kundgebung unter dem Motto „Ob Hanau oder Alfdorf: Rechten Terror stoppen!“ statt. Die Gruppe S. plante Anschläge auf über 10 Moscheen in verschiedenen Bundesländern und dazu Attentate auf bundesweit bekannte Grünenpolitiker. Ziel davon sollte sein, einen blutigen Bürgerkrieg auszulösen.

Im Vorfeld der Kundgebung fanden etwa 400 Flugblätter ihren Weg in die Briefkästen der AnwohnerInnen, 600 konnten vor dem ZF-Werk an ArbeiterInnen und Angestellte verteilt werden. Desweiteren wurden um den Kundgebungsort auf dem Marktplatz sowie in der Nähe des ZF-Werks Plakate aufgehängt.

Dem Kundgebungsaufruf folgten insgesamt über 200 Menschen. Diese konnten sich auf eigens erstellten Stellwänden über faschistische Terrorstrukturen wie Combat 18, Ku-Klux-Klan, Gruppe S oder Uniter informieren. Darüber hinaus gab es Informationen über persönliche wie politische Verbindungen und Bezugsnahmen zwischen den Terroristen und anderen Rechten wie der AfD und Zentrum Automobil. Die gehaltenen Reden auf der Kundgebung stellten ebenfalls die Zusammenhänge zwischen den Hetzern und Mördern dar das OAT Rems-Murr stellte in einer Rede die Zunahme des faschistischen Terrorismus in den Kontext der Rechtsentwicklung und betonte die Notwendigkeit, sich jetzt antifaschistisch zu organisieren. Der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Schwäbisch Gmünd thematisierte, dass die rassistische Spaltung von Belegschaften durch Rechte nicht im Interesse der ArbeiterInnen ist. Die letzte Rede war ein Aufruf, sich an den antifaschistischen Protesten und Blockaden des angeblichen Bundes”sozial”parteitags der AfD am 25. und 26. April zu beteiligen. Zum Ende der Kundgebung wurde noch ein gemeinsames Foto als symbolisches Zusammenstehen gegen rechten Terror gemacht.

Mit der breiten Beteiligung an der Kundgebung wurde am Ort der Gründung der “Gruppe S” bereits ein Schritt in die richtige Richtung getan. Vor allem die breite Teilnahme aus Gewerkschaftskreisen und aus verschiedenen Betrieben wie ZF, Bosch oder Stihl zeigt, dass antifaschistische Arbeit auch in den Belegschaften an Bedeutung gewinnt. Einzig negatives Vorkommnis des Tages ist dem stellvertretendem Bürgermeister Alfdorfs, Klaus Hinderer von den Freien Wählern zu verdanken: Er drohte AktivistInnen, sie wegen illegaler Plakatierung anzuzeigen. Grund dafür waren zwei Plakate an der nahegelegenen Bushaltestelle, welche zielgerichtet über geschmierte SS-Runen geklebt worden waren und das auch noch lediglich mit doppelseitigem Klebeband. Hinderer legte zuvor noch Lippenbekenntnisse gegenüber der Presse ab, wie wichtig Statements gegen Rechts doch seien. Tatsächlich aber scheint er weniger Problemen mit SS-Runen, als mit Plakaten gegen faschistischen Terrorismus zu haben.

Wenn auch du etwas gegen den zunehmenden rechten Terrorismus und seine politischen Helfer unternehmen willst, dann komm zum Offenen Antifaschistischen Treffen Rems-Murr! Wir treffen uns am zweiten Dienstag des Monats um 19 Uhr in der Fronackerstraße 60 in Waiblingen.


“Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Am 14. Februar, eine Woche vor dem Massaker in Hanau wurde hier in Alfdorf eine faschistische Terrorgruppe namens „Gruppe S“ aufgedeckt. Diese hortete unter anderem Waffen und plante Anschläge auf Moscheen. Diese „Gruppe S“ gründete und traf sich in unserem Rems-Murr-Kreis, eben genau hier in Alfdorf.

Blutrünstige Faschisten in unseren Kleinstädten? Was komisch klingt, ist leider nichts neues, denn wenn auch keiner der Akteure aus dem Rems-Murr Kreis stammte (einer kam aus Esslingen) sind Nazis im Rems-Murr Kreis nichts neues, ganz im Gegenteil.

Im Rems-Murr Kreis tummeln sich seit Jahrzehnten verschiedenste Rechte. Von Strukturen der mittlerweile verbotenen Naziorganisation “Combat 18”, u. a. in Großerlach bei Sulzbach, über eine bizarre Gruppe des rassistischen Ku-Klux-Klans in Fellbach bis hin zu den Altnazis der Pseudo-Gewerkschaft “Zentrum Automobil” um Oliver Hilburger, welche in Althütte wohnen, sind Faschisten im Rems-Murr Kreis verankert.

Im Januar letzten Jahres wurden etwa bei zwei Hausdurchsuchungen in Fellbach Waffen bei zwei Ku-Klux-Klan Mitgliedern gefunden. Die Gruppe, die ursprünglich aus den USA stammt und dort Lynchmorde an schwarzen US-AmerikanerInnen beging, nahm in Deutschland gezielt Polizisten auf.

Combat 18 stammt aus England und ist der bewaffnete Arm des Nazi-Netzwerks Blood and Honour, er ist mittlerweile verboten. Der NSU nahm sich das Konzept von Combat 18 zum Vorbild, kleine Zellen aus Rechtsterroristen sollten Anschläge und Morde an MigrantInnen und politischen Gegnern vollbringen. Die Kader des “Zentrum Automobil” stammen größtenteils aus den Strukturen “Blood and Honour”. So spielte ihr Anführer Oliver Hillburger, der in Althütte wohnt, in der “B&H”-Band Noie Werte. Der NSU verwendete deren Musik für seine Bekennervideos.

Aber was sagen eigentlich die staatlichen Behörden zu den rechten Vorfällen im Rems-Murr-Kreis?Die Polizei und andere staatliche Behörden feiern die Zerschlagung der Nazigruppe als “Erfolg im Kampf gegen Rechts”. Der Staat und seine Behörden wollen sich durch diese Interpretation schmücken. Die Realität sieht oft aber anders aus: Die Verstrickungen des Verfassungschutzes in die Morde und Anschläge des NSU und immer wieder aufgedeckte Polizisten und Soldaten, welche in bewaffneten Nazigruppen aktiv sind, zeichnen ein klares Bild. Einer der jüngsten, zahlreichen Skandale war das “Hannibal-Netzwerk”, eine Schattenarmee bestehend aus Polizisten und Bundeswehr-Soldaten, die an einem sogenannten Tag X einen Putschversuch planten.

Nazis sind nie absolut im Fadenkreuz der Justiz und Polizei. Der Staat hielt sich in vielen Fällen das rechte Auge zu. Erst wenn eine Gruppe wirklich gefährlich wird, werden Behörden aktiv und auch dann oft halbherzig und schludrig. Das zeigt einmal mehr, wie wenig wir uns beim Kampf gegen rechts auf den Staat verlassen können.

NSU, Blood and Honour, Hannibal, Combat 18, Ku-Klu-Klan und die “Gruppe S.”, die sich in Alfdorf gründete, handeln und handelten im Windschatten einer Rechtsverschiebung innerhalb der deutschen Politik. Offensichtlichster Ausdruck dieser ist die AfD. Hinter und neben ihr, oft auch in Bezug zueinander, agieren gewaltbereite Faschisten und setzen das in die Tat um, was rechte Politik in letzter Konsequenz immer bedeutet: Mord und Gewalt gegen MigrantInnen, Andersdenkende, Muslime, Jüdinnen und Juden und Linke. An der sogenannten “Flüchtlingskrise” und an der Hetze gegen Asylsuchende haben sie sich hochgezogen, aber die Agenda von Rechts bedeutet auch für alle nicht von Rassismus betroffenen nichts Gutes.

Wer nicht in einer Gesellschaft leben möchte, die in einer Spirale aus Gewalt, Terror und Hass versinkt, sondern in einer Gesellschaft der Solidarität und Achtung untereinander, muss gegen Rechte Politik als Ganzes aufstehen, auch wenn er von ihr noch nicht betroffen ist. Rassismus macht Menschen künstlich zu Feinden, die zusammen für gute Löhne, Renten und soziale Sicherheit kämpfen können und auch sollten, wenn sie Erfolg haben wollen. Deshalb muss Rassismus von Grund auf bekämpft werden. Diesen Kampf aber, wird uns niemand abnehmen, das müssen wir selbst gemeinsam leisten. Genau jetzt, wenn sich Faschisten bewaffnen, den Umsturz in Reden fordern und auf Grillplätzen planen, müssen wir uns antifaschistisch organisieren und uns aktiv gegen die Rechtsentwicklung in ihrer vollen Breite stellen. Gelegenheit dazu bietet das Offene Antifaschistische Treffen Rems-Murr, welches sich immer am zweiten Dienstag des Monats um 19 Uhr in der Fronackerstraße 60 in Waiblingen trifft. Streiten wir gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft jenseits von Faschismus und rechter Hetze!

Ob auf der Straße oder im Betrieb: Faschisten bekämpfen, jetzt oder nie!

 

Ob Hanau oder Alfdorf: Rechtem Terror entgegentreten!

Vier Monate nach dem antisemitisch motivierten Anschlag auf eine Synagoge in Halle, neun Monate nach dem Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke aus Kassel und eine halbe Woche vor
dem Massaker in Hanau flog am 14. Februar eine faschistische Terrorzelle namens „Gruppe S“ auf. Deren Spuren reichen zurück bis nach Alfdorf, wo sich diese im September vergangenen Jahres auf dem entlegenen Grillplatz Hummelgautsche gründete. Die Gruppe S ist eine von vielen faschistischen Terrorgruppen, die sich in den letzten Jahren zusammenfanden, um Morde und
Anschläge zu begehen: Angefangen vom NSU, über die Gruppe Freital, Revolution Chemnitz, Combat 18, Ku Klux Klan, bis hin zum vom Verfassungsschutz mitgegründeten Uniter-Netzwerk,
welches ebenfalls im Rems-Murr-Kreis aktiv ist.

Faschistische Terrorgruppen wie die „Gruppe S“ sind keine Zusammenrottung psychisch kranker Einzeltäter, wie sie häufig von Politikern dargestellt werden und gründen sich nicht im luftleeren Raum. Das mordbereite rechte Lager erstarkt im Windschatten der gesellschaftlichen Rechtsentwicklung und verfügt mit der AfD über finanzstarke Stichwortgeber in den
Parlamenten und Medien. Die rassistische und antimuslimische Propaganda der AfD markiert Ziele für die Terroristen und versucht, Belegschaften in den Betrieben im Kampf für ihre gemeinsamen Interessen zu spalten. Die AfD lenkt bewusst davon ab, indem sie durch Jörg Meuthen wenige Stunden nach dem rassistischen Massaker in Hanau beklagt, sie werde
zu Unrecht für die Tat verantwortlich gemacht. Marcel Grauf, parlamentarischer Mitarbeiter der AfD im baden-württembergischen Landtag, wünschte sich bereits 2018 in geleakten Chats einen „blutigen Bürgerkrieg“, will „auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen“.

Wir können und wollen es nicht zulassen, dass faschistischer Terror in Deutschland wütet. Der Kampf gegen diesen Terror muss die gesellschaftlichen Ursachen, die ihn begünstigen, ebenfalls bekämpfen. Wir rufen deshalb zu einer Kundgebung am Samstag, den 29. Februar um 11 Uhr am Alfdorfer Marktplatz auf, um ein lautstarkes Zeichen gegen das Treiben der Gruppe S zu setzen und über die Verstrickungen und Verbindungen terroristischer Faschisten zu informieren.

Link zur Facebookveranstaltung: https://www.facebook.com/events/903206636804401/

Weil’s notwendig ist … und weiterhin bleibt! – Nachbericht zu den Protesten in Pforzheim

Auch in diesem Jahr reisten am 23. Februar wieder zahlreich AntifaschistInnen aus ganz Baden- Württemberg nach Pforzheim, um gegen den jährlich auf dem Wartberg stattfindenden Naziaufmarsch auf die Straße zu gehen.

Die Bombardierung Pforzheims durch die Alliierten wird dabei von den Rechten zum Anlass genommen, Geschichtsverdreherei zu betreiben und die Deutschen zum alleinigen Opfer des Krieges zu verklären. Der faschistische „Freundeskreis – Ein Herz für Deutschland“, der auch über den 23. Februar hinaus Naziveranstaltungen in und um Pforzheim organisiert, versuchte auch in diesem Jahr wieder Nazis aus verschiedenen Spektren auf den Wartberg zu trommeln.

Die Stadt konnte sich erst aufgrund des rechten Terroranschlages in Hanau – nach 25 Jahren des Wegschauens und der Verharmlosung – durchringen, ein Verbotsverfahren gegen die Fackelmahnwache anzustreben. Diesem Verbot wurde nicht stattgegeben.

Unter dem Motto „Nicht lange fackeln!“, startete mit Musik und Redebeiträgen gegen 18 Uhr die Kundgebung vor dem Bahnhof, der sich neben angereisten AntifaschistInnen auch einige PforzheimerInnen anschlossen.

Die Situation in Pforzheim ist ganzjährig davon gekennzeichnet, dass Rechte verschiedener Spektren versuchen sich dort breit zu machen. In den Moderationsbeiträgen wurde dieser nicht hinnehmbare Zustand, die Notwendigkeit von antifaschistischen Abwehrkämpfen und die generell zunehmende Kriminalisierung von AntifaschistInnen thematisiert.

Anschließend bewegten sich etwa 1000 entschlossenen AntifaschistInnen in einer gemeinsamen Demo auf den Berg. Wie gewohnt waren die Cops in diesem Jahr wieder mit einem Überaufgebot vor Ort und sperrten die Zufahrts- und Zugangswege ab.

Kurz vor dem Eintreffen der AntifaschistInnen an den Gittern zu den Nazis, griff die Polizei die Demo mit Pfefferspray und Schlagstöcken an und verletzten einige DemonstrantInnen schwer. Die Protestierenden hielt das jedoch nicht davon ab, ihre Demo fortzuführen und in direkter Hörweite zu den Faschisten, diese mit Feuerwerk und lauten Parolen zu stören. Die ganze Zeit über wurde der gesamte Protest abgefilmt und ein Wasserwerfer stand zum Einsatz bereit direkt daneben.

Gegen 20 Uhr machte sich die Demo auf den Weg zurück zum Bahnhof. Trotz der enormen repressiven Drohkulisse von Seiten der Polizei waren wieder lautstarke Parolen zu hören und zur kraftvollen und kämpferischen Ausgestaltung wurden auch hier Raketen gezündet.

Insgesamt gab es an diesem Tag vier Festnahmen und mehrere Kontrollen sowie Platzverweise.

In Zeiten in denen die Faschisten Terroranschläge verüben und Menschen angreifen können wir solche Veranstaltung wie heute auf dem Wartberg nicht zulassen und versuchen sie mit allen notwendigen Mitteln zu stören und zu verhindern.

Außerdem machte noch bei den Protesten die Nachricht die Runde, dass sich wohl einzelne AntifaschistInnen auf den Weg gemacht haben und dem Nazi Alexander Zubrod einen Hausbesuch abgestattet haben und damit verdeutlichen konnten, dass man auch in Pforzheim als Rechter Probleme bekommt.

Auswertung Kampagne

Durch die Verbindung der „Nicht lange fackeln!“-Proteste mit der Arbeit zu dem Repressionsfall der drei Antifaschisten, die im Januar erneut in Pforzheim vor Gericht standen, ist es gelungen, zwei Themen auf die Tagesordnung zu setzen, die eng beieinander liegen. Zum einen, weil wir generell seit Jahren mit einer zunehmenden Kriminalisierung von AntifaschistInnen und linken AktivistInnen konfrontiert sind. Zum anderen wurde jahrelang zu rechten Akteuren und Strukturen rund um Pforzheim gearbeitet und eben genau um diese ging es in dem aktuellen Repressionsfall.

Gleichzeitig wird die Notwendigkeit antifaschistisch zu handeln immer wieder mehr als deutlich: Das aktuelle Beispiel aus Thüringen, wo die Wahl eines FDP-Ministerpräsidenten mit Stimmen von AfD, CDU und FDP erfolgte, zeigt, dass die Hemmschwelle, mit der AfD auf parlamentarischer Ebene zusammenzuarbeiten, weiter sinkt. Die Wahlerfolge der AfD im Osten schlagen sich nun auch ganz praktisch in Form von zunehmenden parlamentarischen Einfluss nieder.

Durch Veranstaltungen in mehreren Städten zum Thema Repression, die praktische Unterstützung der Genossen vor Gericht durch eine solidarische Prozessbegleitung und die Thematisierung in offenen Antifa-Treffen konnten wir verstärkt eine kollektive Auseinandersetzung führen, die es uns zumindest in Teilen ermöglicht, mit dem allgemeinen Bedrohungsszenario „Repression“ rationaler und konstruktiver umzugehen und die politischen Angriffe politisch zu beantworten.

Wie weiter?

Trotz der Drohkulisse, die für AktivistInnen gezeichnet wird durch zunehmende Repression, ist der aktuelle Fall ein weiteres Beispiel dafür, dass selbstbestimmtes und konsequentes Agieren gegen Rechts weiterhin möglich ist und einen enorm wichtigen Effekt hat: Rechte in die Schranken zu weisen und daran zu hindern, ihre Ideologie in Taten umzusetzen.

Wir werden uns auch weiterhin mit dem Thema Repression und seinen Folgen beschäftigen müssen – alle Zeichen stehen auf Verschärfung.

Dennoch müssen wir diese Auseinandersetzung, aus der wir gestärkt hervorgehen können, führen, denn auch in Zukunft wird es unerlässlich sein, selbstbestimmt und kämpferisch aktiv zu sein für eine solidarische Welt ohne Unterdrückung und Ausbeutung.

Weil’s notwendig ist!

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