Am gestrigen Mittwoch, den 26. Juli, fand eine Demonstration mit über hundert Teilnehmer:innen aus dem Querdenken Spektrum in Backnang statt. Die Veranstaltung richtete sich gegen die Backnanger Wirtschaftswochen, auf welcher ursprünglich auch Wirtschaftsminister Robert Habeck hätte sprechen sollen, aber absagte. Inhaltlich richtete sich der Protest gegen die Ampel Regierung, womit versucht wurde den berechtigten Unmut an deren Politik aufzugreifen. Neben verschiedenen Personen aus dem Querdenken Spektrum, kamen verschiedene Kleinbürger:innen zu Wort.
Es beteiligten sich aber auch verschiedene Nazis an der Demo, so Oliver Hilburger und Anja Ortelt von der rechten Scheingewerkschaft Zentrum, mehrere Personen von „Der Heimat“ und der Ex-AfDler Fiechtner.
An dieser Veranstaltung zeichnet sich ab, dass es Querdenken einerseits gelungen ist eine gewisse Massenmobilisierung zu erreichen und damit auch für weitere faschistische Akteure interessant zu werden, andererseits sich über die ursprünglichen Themenfelder hinaus als eigener rechter Akteur in Stellung zu bringen. Auch wenn Querdenken aktuell, zumindest in Westdeutschland, gesellschaftlich betrachtet isoliert ist, stellt das Zusammenarbeiten mit anderen faschistischen Kräften eine Gefahr dar. So gelang es organisierten Nazis seit langem wieder ungestört im Rems-Murr-Kreis auf die Straße zu gehen.„Die Heimat“ war mit insgesamt vier Personen und einem eigenen Banner vor Ort. Erst vor knapp 2 Monaten benannte sich die frühere NPD in „Die Heimat“ um. Mit der Umbenennung geht eine neue strategische Funktion der ehemaligen Partei einher. Zukünftig will man in Protestbewegungen einwirken und zu einer Vernetzung verschiedener rechter Akteure beitragen. Was sie augenscheinlich in Backnang versuchten.
Unter den vier Personen war auch Marina Djonovic, ehmalige stellvertretende Vorsitzende der NPD Baden-Württemberg.

Zentrum:
Oliver Hilburger ist Grüngungsmitglied des rechten Betriebsprojekts „Zentrum“ und ehemaliger Gittarist der Nazi Band „Noie Werte“, welche die Musik für die NSU Bekennervideos lieferte. Hilburger gibt sich im Betrieb gerne so, als hätte er nichts mit Nazis zu tun, die Demo zeigt das Gegenteil.

Anja Ortelt ist eines der zentralen Gesichter von „Zentrum Gesundheit & Soziales“. Der Versuch der Rechten auch außerhalb von Metallbetrieben, vor allem in Krankenhäusern Fuß zu fassen.

Heinrich Fiechtner:
Der ehemalige AfDler und Landtagsabgeordnete ist für seine wirren Positionen bekannt und musste deshalb selbst die AfD verlassen. Er fällt durch seine Holocaust Relativierungen und Nähe zu Querdenken auf.

Vida LaTina:
Band aus dem Querdenken Spektrum, welche auf verschiedensten Kundgebungen in ganz Baden-Württemberg auftritt.

Johanna Findeisen, welche 2021 noch für die rechte Kleinstpartei „Die Basis“ für den Bundestag kandidierte, sitzt aktuell in Untersuchungshaft. Sie bereitete sich gemeinsam mit einer Gruppe rund um Prinz Reuß auf einen militärischen Umsturz vor. Die Rednerin Esther Sonntag forderte zu Spenden für und Solidarität mit der Inhaftierten auf.

Das Orga-Team sammelte sich um Michaela Brandner und den rechten Blogger Markus Huck, welche regelmäßig an verschiedenen Veranstaltungen in der Region Stuttgart teilnehmen. Der vierte im Bunde des Orgateams ist Dennis Herberg. Der ehemalige Vorsitzende des Cannabis Social Clubs Stuttgart hat inzwischen offenbar gute Kontakte zu Faschisten. So geht er wohl regelmäßig in der Herrenberger Nazikneipe „Hüttengaudi“ ein und aus. Mit dem ehemaligen NPD-Landesvorsitzenden Janus Nowak, der die Kneipe seit 2020 betreibt scheint er per du zu sein. Kaum verwunderlich, also dass auf Herbergs Veranstaltungen langjährige NPDler zu finden sind. Trotz seiner Verbindung nach Herrenberg ist Dennis Herberg vor allem in der Region Stuttgart aktiv, schließlich wohnt er in Aichschieß und arbeitet im Mercedes-Benz-Werk Hedelfingen.